Grace Schäfli

Start / Meine Geschichte

Wie ich aufgehört habe, mich für falsch zu halten.

Bevor ich andere begleitet habe, steckte ich selbst fest. Das ist meine Geschichte.

Grace sitzt am Meer und schaut in die Ferne

Vorher

«Mit mir stimmt grundsätzlich etwas nicht.» Dieser Satz war jahrelang mein Grundrauschen, morgens beim Aufwachen und abends im Bett. Nächte waren geplagt von Grübeln und Herzrasen. Ich wollte dauernd meinen Kopf ausschalten oder sonst irgendwie loswerden. «Wie komme ich bloss aus diesem Strudel raus?»

Von aussen fehlte nichts: ich hatte eine Familie, die mich liebt, eine Beziehung, in der ich geliebt wurde, einen Job, in dem ich geliebt wurde. Und trotzdem: innen war das Gefühl, nie gut genug zu sein, und die Angst, es nie zu schaffen. Meine Tage waren geprägt von Selbstzerstörung und innerem Selbsthass. Ich wusste, ich bin mehr, aber ich dachte, ich muss erst was loswerden oder verändern, damit dieses Mehr rauskommt, und solange sich das nicht ändert, bin ich mein eigener Endgegner. Das will niemand sein. Sein eigener Gegner, den man nie loswerden kann.

Als Teenager bin ich mit den Schultern nach vorne und dem Kopf nach unten durchs Leben gelaufen. Ich hörte oft von meiner Familie, ich solle doch meine Schultern aufrecht halten: Es sieht doch nicht schön aus, wenn du dich so gibst, meinten sie. Liebevoll gedacht und dennoch am Ziel vorbei. Ich dachte mir, mich versteht niemand. Wer würde sich meiner annehmen und ehrlich hinschauen?

Ich bin christlich aufgewachsen, und an sich zu arbeiten gehörte bei uns dazu. Ich habe Tagebuch geschrieben, gelesen und andere um Hilfe gebeten. Kaum fühlte sich etwas besser an, kam der nächste Gedanke, der mich herunterzog. Also wirklich hingeschaut wurde nicht. Es hiess nur, hier hast du ein Problem. Löse es. Aber in meiner Welt ging das nicht einfach so, mal nebenbei. Ich wusste, ich brauche Hilfe, aber früher oder später dachte ich mir, mir kann niemand helfen. Die Hilfe, die ich brauche, gibt es nicht. Ich bin zu kompliziert und zu anders für diese Welt. Wie gesagt, mich versteht man eben nicht.

Der Wendepunkt

An einem Abend im Sommer 2025 sass ich, mein Freund und ich hatten uns gerade Gute Nacht gewünscht, weinend auf meinem Bett und habe zum ersten Mal ausgesprochen, was ich wirklich brauche: jemanden, dem ich zuschauen kann, wie ein Leben aussieht, in dem man sich sicher fühlt. Ich hatte doch alles. Sicherheit im Job, Familie, Beziehung, Land, und so vieles mehr. Aber was ich da noch nicht verstand, wenn ich mich innerlich nicht sicher fühle, ist jede Sicherheit im Aussen vergebens.

5 Tage später sass ich in der Mittagspause am Handy und klickte einen Link ohne Erwartungen. Einen Tag später sass ich in einem Gruppencall von ganz vielen Gleichgesinnten. Ich verstand das erste Mal, krass, ich bin nicht die Einzige. Und noch dazu gibt es eine Lösung. Fast gleichzeitig ging meine Beziehung zu Ende, und alles, was ich jahrelang weggedrückt hatte, kam hoch.

Zum ersten Mal habe ich wirklich hingeschaut. Mit einem Coach an meiner Seite. Ich habe verstanden, wie Körper und Kopf zusammenarbeiten – und dass ich mir das Leben schwer mache, wenn ich dagegen ankämpfe. Durch die 1:1-Begleitung ist mir der Wunsch nach einem Menschen in meinem Leben, bei dem ich lernen kann, was wahre Sicherheit bedeutet, in Erfüllung gegangen.

Heute

Heute gehe ich aufrecht. Ich stehe gern auf, und ich kann sagen, dass ich stolz auf mich bin, und es auch meinen. Es gibt immer noch Tage, an denen alte Mechanismen sichtbar werden. Aber ich weiss dann, was zu tun ist, und dass es kein Fehler im System ist. Mein Körper redet mit mir.

Früher dachte ich: Ich muss mich verändern, weil ich falsch bin. Heute will ich mich verändern, weil ich Menschen begleiten will, die diesen Satz auch mit sich tragen und ich aus dieser Erfahrung weiss, wie wertvoll es ist, einen Menschen in seinem Leben zu haben, bei dem man innere Sicherheit und Orientierung erfahren kann.

Mir brennt es im Herzen, Menschen in ihrem Tiefpunkt zu begegnen. Ich habe erlebt, wie mir geholfen wurde, und das will ich auch anderen ermöglichen. Dennoch hat es meine Initiative gefordert, mich verändern zu wollen und mir helfen zu lassen. Deswegen ist der eigene erste Schritt immer notwendig.

«Wie im Flugzeug: Erst ziehe ich mir selbst die Maske auf, dann bin ich fähig, anderen zu helfen.»

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